Bark River Knives vor dem Aus: Eigentümer gesteht Materialtäuschung
Bark River Knives schließt nach Eingeständnis falsch deklarierter Stahlverwendung und wachsendem Vertrauensverlust. Foto: Bark River Knives
Der US-amerikanische Messerhersteller Bark River Knives hat seinen Geschäftsbetrieb überraschend eingestellt. Die Entscheidung folgt auf ein öffentliches Eingeständnis von Inhaber Mike Stewart, bei einzelnen Modellen nicht die angegebenen Materialien verwendet zu haben. Die Schließung erfolgte laut Stewart bereits Mitte März, wurde jedoch erst später öffentlich kommuniziert.
Im Mittelpunkt der Kontroverse steht die Verwendung eines alternativen Stahls chinesischer Herkunft. Betroffene Messer wurden dennoch als Produkte aus CPM 154-Stahl vermarktet. Stewart erklärte, dass diese Entscheidung ausschließlich auf ihn zurückgehe und Teil eines Versuchs gewesen sei, das Unternehmen wirtschaftlich stabil zu halten. Gleichzeitig betonte er, dass nur eine begrenzte Anzahl von Modellen betroffen gewesen sei, darunter unter anderem das Camp Bolo, Fox River Skinner und der Mini-Manitou.
In seiner Stellungnahme versuchte Stewart zudem, die technische Qualität des verwendeten Materials zu relativieren. Der eingesetzte Stahl habe in Tests ähnliche Eigenschaften wie CPM 154 gezeigt, insbesondere in Bezug auf Schnitthaltigkeit, Zähigkeit und Korrosionsbeständigkeit. Dennoch räumte er ein, dass die Kennzeichnung der Produkte falsch gewesen sei.
Besonders hervorgehoben wurde, dass sämtliche weiteren Bearbeitungsschritte - vom Schliff über die Montage bis zur Endkontrolle - weiterhin in den USA erfolgt seien. Stewart argumentierte, dass die Messer dadurch formal die Kriterien für „Made in USA“ erfüllt hätten, obwohl der Stahl importiert wurde. Diese Argumentation dürfte jedoch angesichts der irreführenden Materialangabe kaum zur Entschärfung der Kritik beitragen.
Parallel zu den Enthüllungen wurde deutlich, dass Bark River bereits seit geraumer Zeit unter wirtschaftlichem Druck stand. Mehrere Klagen von Finanzdienstleistern wegen Vertragsverletzungen und ausbleibender Zahlungen deuten auf strukturelle Probleme hin, die dem Skandal vorausgingen. Stewart stellte in diesem Zusammenhang klar, dass weder Händler noch Mitarbeiter von der Materialabweichung gewusst hätten und somit keine Verantwortung tragen.
Mit dem Ende von Bark River Knives endet auch die jahrzehntelange Tätigkeit Stewarts in der Messerbranche. In seiner Erklärung sprach er von einem längst überfälligen Schritt und entschuldigte sich für die Ereignisse. Gleichzeitig kündigte er an, sich aus der Branche zurückzuziehen.
Für die Zukunft gibt es dennoch Bewegung: Jim Stewart soll ein neues, unabhängiges Unternehmen gründen und bestehende Garantieverpflichtungen übernehmen. Eine offizielle Ankündigung steht hierzu noch aus.