Vorstellung

LionSteel Ago: Ein Stück Geschichte

Messer mit Charakter sind bei LionSteel nichts ungewöhnliches. Im Ago stecken mehr als 30 Jahre italienische Handwerkserfahrung. Foto: LionSteel

Die Messer des italienischen Herstellers LionSteel sind etwas ganz Besonderes. Sie sind Teil der Geschichte der italienischen Handwerkskunst. So auch das neue Ago von Gianluigi Simonella.

Das Ago ist zum Marktstart in sieben Varianten erhältlich, darunter verschiedene Holzarten, G-10, Micarta und sogar Kohlefaser. Foto: LionSteel

Im Zeitalter von Social Media und Co. Ist das Thema Schnelllebigkeit für viele Hersteller ein echtes Problem. Kaum ist ein Modell auf dem Markt, muss sofort das nächste hinterhergeschoben werden, um weiterhin im Gespräch zu bleiben. Was auf der einen Seite eine Vielfalt ermöglicht, verhindert auf der anderen Seite, dass die Messer für sich eine Seele erhalten, einen Charakter, der sie zu etwas Besonderem macht. Doch beim italienischen Traditionshersteller LionSteel sieht das etwas anders aus. Zwar muss man sich auch in der Messerstadt Maniago der Zeit anpassen, allerdings schafft man hier etwas, was nur wenige andere Manufakturen erreichen: Sie verleihen ihren Messern einen Charakter.

Auf kaum einen anderen Stahl setzt LionSteel so häufig wie auf M390 aus der österreichischen Fabrik von Böhler. Foto: LionSteel

Handwerk statt Computerarbeit

So auch der neuesten Ergänzung ihres Sortiments, dem Ago. Ein feststehendes Messer, gemacht für den Alltag, entworfen vom renommierten Designer Gianluigi Simonella, genannt „Wilson“. Seinen Spitznamen verdankt er seinen Freunden: „Als ich ein Junge war, lief in Jukeboxen immer irgendeine Platte von Wilson Pickett. Ich war damals ein großer Fan von ihm und habe immer seine Lieder gespielt. Wenn ich also die Bar betrat, sagten meine Freunde: ‚Hier kommt Wilson.‘ Also beschloss ich, diesen Spitznamen in eine Marke umzuwandeln, und es hat funktioniert“, erzählte er 2020 dem Online-Magazin All4Shooters.com.

Der mittlerweile 73-Jährige ist einer der Gründer der italienischen Messermachergilde und verkörpert die Figur des harten und reinen Handwerkers. Mit Computern hat er es nicht so, er legt Wert auf das Handwerk. Auf die Details. Aber auch darauf, dass seine Messer auch tatsächlich Verwendung finden. „Ich stelle Messer her, die man benutzen kann, und es tut mir leid, wenn die Leute, die sie kaufen, sie nicht benutzen. Oft sagen die Leute: ‚Sie sind teuer, es ist eine Schande, sie zu benutzen‘ und ich antworte dann normalerweise: Ein Auto kostet viel mehr, aber man benutzt es. „Ich habe immer ein kleines Messer in meiner Tasche, das man jeden Tag benutzt. Für mich ist die Freude an der Benutzung eines Messers wesentlich. Es erscheint mir absurd, ein Schmuckmesser zu besitzen und es nicht zu benutzen.“

Wilson war Teil der Deutschen Messermachergilde

Bereits seit über 30 Jahren stellt Wilson eigene Messer her. Damals begann er, bei Coricama zu arbeiten, einem altehrwürdigen Hersteller von Scheren, Zangen und eben auch Messern. „Die ersten Messer, die ich für mich selbst herstellte, waren wunderschön, aber im Vergleich zu denen, die ich auf der Münchner Ausstellung sah – die erste, die ich besuchte – waren sie eine Katastrophe. Zuerst wollte ich aufgeben, aber dann fasste ich mir ein Herz, gab mir Mühe und erreichte langsam ein gewisses Qualitätsniveau.“

Im Lieferumfang eines jeden Ago ist eine stilechte und hochwertig verarbeitete Lederscheide enthalten. Foto: LionSteel

Dass er dabei nicht an die Standards der Serienfertigung großer Hersteller herankommen würde, war ihm bewusst, aber auch nicht notwendig: „Natürlich erreiche ich nicht die Perfektion, die man mit einer numerisch gesteuerten Maschine erzielt, aber ich mache alles mit meinen Händen und habe eine Menge Fantasie.“
Nachdem er bereits Teil der Deutschen Messermachergilde war, entschied er sich 1996 zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Messermacher Gianpaolo Negretti dazu, eine eigene italienische Gilde zu gründen. Mittlerweile habe er die Gilde aber laut eigenen Angaben „wegen Meinungsverschiedenheiten“ verlassen.

Ago in sieben Varianten erhältlich

Aber zurück zu seiner neuesten Kreation, dem Ago. Hierbei handelt es sich um ein elegantes Fixed, welches mit einer knapp 8 Zentimeter langen Klinge daherkommt. Diese besteht natürlich aus satiniertem M390, einer Stahlsorte, die bei LionSteel sehr häufig zum Einsatz kommt. Kein Wunder, denn der Stahl der österreichischen Firma Böhler vereint eine hervorragende Schärfebeständigkeit mit hoher Härte und einer sehr guten Korrosionsbeständigkeit. Dadurch ist er ideal geeignet, um in einem Alltagsmesser eingesetzt zu werden.

Bei den Griffschalen reicht die Auswahl von traditionellen Materialien wie Santos- oder Olivenholz bis hin zu G-10, Micarta oder Kohlefaser. Insgesamt sieben verschiedene Versionen sind vom Ago erhältlich. Allesamt kommen stilecht mit einer Lederscheide im Lieferumfang. Trotz der hochwertigen Materialien ist das Ago bereits für unter 150 Euro zu haben, was das Messer nebenbei zu einem kleinen Geheimtipp macht. Doch Vorsicht: Die erste Charge war hierzulande bereits schnell vergriffen, Nachschub ist aber unterwegs und soll noch vor Weihnachten eintreffen.

Geschichte, die bald fehlen wird

Dass mit dem neuen Ago nun ein weiteres Stück italienischer Handwerkskunst den Weg auf den Weltmarkt geschafft hat, ist für Messerliebhaber eine gute Nachricht. Denn davon wird es zukünftig wohl, aufgrund bereits genannter Thematiken, wohl immer weniger geben. Wilson selbst hat übrigens eine eigene Sammlung mit etwa 3.500 Messern. „Ein paar von allen Arten, darunter die billigsten, die in Maniago hergestellt wurden, als ich ein Kind war und es in jedem Hof eine Werkstatt gab. Sie sind jetzt Teil der Geschichte dieser Gegend“, erzählt er.

Dieser Artikel ist Teil des Knyfe Magazins 11/2024

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